ABU — von der Uhrenfabrik zum weltweit führenden Sportfischerunternehmen.
Aktiebolaget Urfabriken wurde 1921 in Svängsta von Carl August Borgström gegründet. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das kleine Unternehmen aus Blekinge zu einem der weltweit bekanntesten Hersteller von Angelrollen, Ruten und Ködern — und setzte Svängsta auf die Weltkarte des Sportfischens.
Die Uhrenfabrik in Svängsta
Carl August Borgström hatte als Werkmeister bei der Halda-Fabrik gearbeitet, wurde aber nach dem Ersten Weltkrieg entlassen, als Halda in Schwierigkeiten geriet. Trotz der schwierigen Zeiten versammelte er einige arbeitslose Uhrmacher von Halda um sich und gründete 1921 seine eigene Firma in Svängsta am Fluss Mörrumsån — Aktiebolaget Urfabriken, abgekürzt ABU. Hier übernahm man einen Teil der früheren Produktion von Halda. Die erste Werkstatt war in einem Gebäude untergebracht, das zuvor eine Baptistenkapelle gewesen war.

Taxameter und Telur
Borgström war bei Halda an der Konstruktion von Taxametern für Pferdedroschken beteiligt gewesen, weshalb es naheliegend war, dass er die Entwicklung dieser Geräte in seinem eigenen Unternehmen fortsetzte – nun für Taxameter in Autos. 1926 war die Konstruktion fertiggestellt. Das Unternehmen hatte damals vier Angestellte. Der Sohn Göte musste abwechselnd die Geräte zusammenbauen, sie verkaufen, montieren und nach Svängsta zurückkehren, um sich an den Arbeitstisch zu setzen. Allmählich stieg das Tempo, der Umsatz nahm zu und die Belegschaft wuchs. In dem Maße, wie die Zahl der Taxis stieg, nahmen auch die Produktion und der Export in andere Länder an Fahrt auf. Weltweit begann man zudem, die Dauer von Telefongesprächen mit den Telur der Urfabriken zu messen.
Generationswechsel und der Rekordtaxameter
Im Jahr 1934 verstarb C.A. Borgström, und sein Sohn Göte Borgström übernahm die Leitung der Fabrik. Er machte sich sofort daran, den kleinsten Taxameter der Welt zu konstruieren. Der neue Rekordtaxametern war 1939 fertig und wurde ein technischer Volltreffer – doch der Zweite Weltkrieg mit Benzinrationierung und anderen Schwierigkeiten verhinderte den erhofften großen Verkaufserfolg.
Vom Uhrwerk zur Angelrolle
Nun folgte eine kritische Zeit für die Urfabriken. Um das Unternehmen zu retten, musste ein neues Produkt hergestellt werden. Die Wahl stand zwischen Pendeluhren und Spinnrollen – letztendlich entschied man sich für Spinnrollen, was sich als echter Glücksgriff erwies. Im Jahr 1939 begann die Konstruktion der ersten Spinnrollen. Diese wurden von Hand gefertigt, und es gab vier Modelle. Im folgenden Jahr, 1940, waren die ersten Demonstrationsrollen fertig, und mit diesen im Koffer trat Göte Borgström seine Verkaufsreisen an.
Die ersten vier Modelle waren Record 1500, 1600, 1700 und 1800; in der ersten Versuchsserie entstanden insgesamt 25 Rollen. Göte Borgström reiste nach Göteborg und zeigte sie dem Großhändler Paul Berghaus & Co, dessen Geschäftsführer Hakon Sjödahl ihn empfing. Das Geschäft kam zustande — unter der Bedingung, dass die Rollen unter der eigenen Marke PEBECO verkauft wurden, gebildet aus dem Namen Paul Berghaus & Co. Aus Record 1500 wurde PEBECO 111, aus 1600 die 222, aus 1700 die 333 und aus 1800 die 444. Die ersten Rollen wurden im Herbst 1940 geliefert und im Frühjahr 1941 breiter vermarktet. Das Können aus der Uhrenfertigung — kleine Zahnräder, enge Toleranzen und zuverlässige Feinmechanik — erwies sich als ideal für Angelrollen.

Die Fabrik wächst
Im Jahr 1943 bezog man ein Fabrikgebäude, das einen Teil des heutigen Fabrikkomplexes bildet. Die Zahl der Mitarbeiter stieg ständig an, und schon nach wenigen Jahren erwies sich die neue Fabrik als zu klein. Ein erster Anbau wurde 1953 fertiggestellt, wodurch sich sowohl die Räumlichkeiten als auch die Kapazität des Unternehmens verdoppelten. Weitere Anbauten folgten 1958, 1960 und 1964.

Ambassadeur, Cardinal und Abumatic
1952 wurde die Ambassadeur 5000 auf den Markt gebracht, eine rote Multirolle, die zu einer der meistverkauften und meistkopierten Angelrollen der Welt werden sollte. In den 1960er Jahren wurde das Sortiment durch die Cardinal-Serie ergänzt, Stationärrollen, die zu internationalen Verkaufsschlagern wurden. Die Abumatic, eine Stationärrolle mit geschlossener Spule, wurde für leichteres Spinnfischen populär. Zusammen mit Ruten, Ködern wie Toby und Droppen sowie Zubehör wurde ABU zu einer kompletten Sportfischermarke ausgebaut.
Napp och Nytt
Von 1948 bis 2021 gab ABU den klassischen Jahreskatalog Napp och Nytt heraus, insgesamt 74 Jahrgänge. Der Katalog wurde weit mehr als ein Produktkatalog – er enthielt Angelgeschichten, technische Artikel, Reiseberichte und wurde zu einem festen Bestandteil der schwedischen Sportfischergeschichte. Die gesamte Serie ist gesammelt und lesbar im 5000 Arkivet verfügbar.
Eigentümerwechsel und internationale Expansion
In den 1960er- und 70er-Jahren exportierte ABU weltweit, besonders stark in die USA, nach Großbritannien und Japan. 1974 starb Göte Borgström, sein Sohn Lennart Borgström übernahm die Leitung. 1975 wurde das Unternehmen an Incentive verkauft, 1988 an Aritmos, und 1995 übernahm das amerikanische Unternehmen Berkley die Firma. Heute gehört ABU zum Konzern Pure Fishing unter der Marke Abu Garcia. Am 10. Dezember 2025 wurde in der Abu-Garcia-Fabrik in Svängsta die letzte Angelrolle gefertigt.
Svängsta heute
Auch wenn die Großserienfertigung abgewandert ist, lebt das Erbe von ABU in Svängsta weiter. Der Ort ist dank der Mörrumsån und der einzigartigen Industriegeschichte ein wichtiges Ziel für Sportfischer aus aller Welt. Das Museum ist einen Besuch wert — dort ist die älteste Produktion bewahrt. Das 5000 Arkivet dokumentiert und macht diese Geschichte für neue Generationen zugänglich.
Fragen und Antworten
+Was bedeutet ABU?
ABU ist eine Abkürzung für Aktiebolaget Urfabriken, das Unternehmen, das 1921 in Svängsta für die Herstellung von Uhren, Taxametern und Feinmechanik gegründet wurde.
+Wann begann ABU mit der Herstellung von Angelrollen?
Die Konstruktionsarbeit begann 1939 mit Record 1500, 1600, 1700 und 1800. Die ersten Rollen wurden im Herbst 1940 an Paul Berghaus & Co geliefert und unter der Marke PEBECO verkauft. Die Ambassadeur 5000 kam 1952 auf den Markt.
+Was stellte ABU vor den Angelrollen her?
Taschenuhren, Wanduhren, Taxameter und Telur. Der Rekordtaxametern von 1939 war laut dem Unternehmen der kleinste Taxameter der Welt.
+Wem gehörte ABU im Laufe der Jahre?
Der Familie Borgström bis 1975, danach Incentive (1975), Aritmos (1988) und Berkley in den USA (1995). Heute gehört die Marke zu Pure Fishing.
+Wo liegt ABU?
ABU wurde in Svängsta in Blekinge an der Mörrumsån gegründet und hat dort seinen historischen Sitz. Heute gehört die Marke unter dem Namen Abu Garcia zu Pure Fishing.
+Wird die Ambassadeur 5000 immer noch in Schweden hergestellt?
Nein. Am 10. Dezember 2025 wurde in der Abu-Garcia-Fabrik in Svängsta die letzte Angelrolle gefertigt. Heute werden Abu-Garcia-Produkte überwiegend im Ausland hergestellt.
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- Ambassadeur 5000Der Knotenpunkt für die Geschichte der Rolle 1952–2025: Modelle, Varianten und Epochen.
- RECORDDer Vorgänger von Napp och Nytt und die ersten Rollen 1500–1800.
- PEBECO Sidan 1940–1943AB Urfabrikens erste Sportfischereirollen und die Zusammenarbeit mit Paul Berghaus & Co.
- 5000 Arkivet — Napp och NyttAlle eingescannten Jahrgänge 1948–2021, Seite für Seite.
- Produktion & SeriennummernAnzahl produzierter Rollen pro Jahr und Monat — suche nach deiner Seriennummer.
- Om forskningenMikael Risbergs Quellenmaterial, Methode und Faktenprüfung.
